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Cloud ist ein Opfer der Buschfeuer von 1994. Sie stammte ursprünglich aus den Cathie Plains und gehörte zu den 89 Koalas, die wir in dieser Gegend retten konnten. Sie wurde im September 1994 mit Verbrennungen dritten Grades am ganzen Körper ins Hospital eingeliefert. Sie wog damals 3,4 kg und war ungefähr 18 Monate alt. Ihre Ohren waren teilweise abgebrannt, und ihre Vorderpfoten waren so stark verbrannt, dass die Sehnen sichtbar waren, und die Krallen, welche bis auf das Nagelbett verbrannt waren, hatten irreparable Schäden erlitten. Auch an den Hinterpfoten, den Augen, der Nase, dem Kinn und dem Hinterteil hatte sie schwere Verbrennungen. Clouds Verletzungen waren so schwer wiegend, dass sie unsere Gründerin, Jean Starr, in Heimpflege nahm, und dort blieb sie viele Monate. Zusammen mit vier anderen Jungtieren, die die Buschfeuer überlebt hatten, wurde sie bei Jean liebevoll gepflegt. Dennoch überlebten nur zwei der fünf Koalas.


Clouds Brandwunden wurden täglich mit einer Salzlösung gespült, die die Verbrennungen milderten und halfen, eine Wundinfektionen zu verhindern. Bald konnten die Verbände durch Handschuhe ersetzt werden. Cloud litt stark unter Schüttelfrost und Schock. Da der Schüttelfrost nicht nachliess, wurde sie in ein Körbchen mit warmen Tüchern eingebettet und erhielt eine Wärmeflasche. Da sie keine Eukalyptusblätter fressen konnte, erhielt sie spezielle Babynahrung namens Portagen, die die verlorene Flüssigkeit ersetzte und Cloud mit Nahrung versorgte.


Im Oktober begann Cloud wieder selber Blätter zu fressen, konnte ihr Körbchen aber noch immer nicht verlassen. Im November war sie in der Lage, auf einer niedrigen Astgabel zu sitzen. Da sie noch sehr ängstlich war, dauerte es weitere vier Wochen, bis sie wieder kletterte. Auf ihren Pfoten begann auch der Pelz wieder nachzuwachsen.


Ende Januar 1995 war Cloud wieder so weit, dass sie zurück ins Hospital verlegt werden konnte, wo sie gleich die ersten Kletterversuche unternahm. Sie wurde wöchentlich gewogen, und wir feilten ihre stumpfen Krallen in einem Versuch, sie wieder in die richtige Form zu bringen und das Wachstum zu fördern. Im Verlauf des Jahres 1995 legte Cloud Gewicht zu, und sie lernte immer besser, ohne ihre scharfen Krallen zu klettern.


Im Dezember 1995 jedoch verlor Cloud Gewicht, sie war nicht mehr in der Lage, ihren Harn zu halten, und sie wirkte sehr teilnahmslos. Tests zeigten, dass sie an einer Chlamydien-Infektion erkrankt war, und wir begannen eine Behandlung mit Baytril, einem Antibiotikum. Damals stellten wir fest, dass Cloud trächtig gewesen war, und wir fanden ein winziges Junges, ein Joey, in ihrem Beutel. Leider starb das Joey etwa einen Monat später. Cloud wurde in das grosse Gehege 10 verlegt, die Behandlung mit Baytril wurde gestoppt und die Infektion flaute ab. Seither war Cloud frei von jeglicher Chlamydien-Infektion. Im Februar 1996 wurde Cloud ins Gehege 9 zum Koalaweibchen Pebbles verlegt. Zu diesem Zeitpunkt wog sie gesunde 5 kg.


Da Cloud zu lange in der Obhut von Menschen gelebt hatte und von ihnen abhängig war, konnte sie nicht mehr ausgewildert werden. Doch sie war zufrieden und kam nur noch selten runter, um sich ihre Proteinmischung zu holen. Sie hatte auch ein schönes dickes Fell, ein ausdruckstarkes dunkles Gesicht und ein rosa Kinn.


Cloud wurde zur liebevollen „Pflegetante“ aller vier Joeys von Pebbles, wurde aber selbst nie trächtig, so dass wir vermuten, dass sie unfruchtbar war. Angesichts ihrer verkrüppelten Krallen sind wir nicht sicher, ob Cloud mit dem zusätzlichen Gewicht eines Joeys auf dem Rücken überhaupt hätte klettern können, und es ist deshalb auch möglich, dass sie absichtlich abstinent lebte. Schliesslich wusste sie am besten, was gut für sie war.


Am 27. Januar 2007 musste Cloud altershalber und nach kurzer Krankheit eingeschläfert werden. Sie war ganz einfach ein wunderbares Koalaweibchen, das das Schlimmste erlebt hat, was ein Leben in der Wildnis bieten kann, und dennoch überlebte. Den Rest ihres Lebens verbrachte sie frei von den Gefahren, die in der Wildnis lauern, und sie genoss im Hospital Liebe, gutes Essen und den besten Schutz, den wir ihr bieten konnten.